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Vereins-Reise am 20. September

 „Besuch einer Seidenraupenzucht“

Knapp dreissig Mitglieder des Frauenvereins Aesch zeigten Interesse am Thema der diesjährigen Vereinsreise und an der geselligen Carfahrt nach Hinterkappelen. Über die Autobahn ging es nach Solothurn und von dort durch die liebliche Landschaft und die vielen uns unbekannten Dörfer bis an unser Zielort im Bernbiet.

Unsere Gastgeber Ueli Ramseier und seine Frau Bettina Clavadetscher empfingen uns herzlich und nach einer Kaffee und Gipfeli Stärkung waren wir fit, um den Ausführungen von Ueli, über ihre Seidenraupenzucht, zu folgen. Nach seinen Studien verschiedener Richtungen, unter anderem zum Textil-Ingenieur, verstärkte sich Uelis Kindheits-Traumjob, Bauer zu werden. Aber ohne Hof und Land war dies unmöglich. So begann er 2009 mit seiner Frau die Seidenraupenaufzucht im Nebenerwerb aufzubauen. Es ist ein Nischenprodukt, nur 0,25% der Seide weltweit wird in der Schweiz hergestellt. Die Seidenraupen sind eines der ältesten domestizierten Nutztiere. Seit über 5000 Jahren kennt man Seidenstoffe. Ursprünglich kam die Seide aus Südostasien und verbreitete sich dann über die Seidenstrasse nach Westen und nach Europa. Schon anfangs des 19. Jahrhunderts gab es viele Heimarbeiterfamilien, besonders im Baselbiet, die als Nebenerwerb Seidenbänder für die damalige Modeindustrie webten.

Ueli Ramseier kauft pro Aufzucht 60'000 Seidenraupeneier in Italien. Die Produktion kann nämlich erst beginnen, wenn es für die Raupen Futter gibt. Das sind einzig und allein die Blätter des weissen Maulbeerbaumes. Wir haben die Plantage mit den 650 Niederstammbäumen besichtigt. Das war schön anzusehen, verschiedene Arten mit kleinen bis zu riesengrossen Blättern. Jeden Tag müssen die Blätter frisch geerntet werden und für die frisch geschlüpften Raupen werden sie noch zerkleinert. Die Larven häuten sich vier Mal und wachsen in gut einem Monat zur Grösse eines Fingers heran. Dann verändert sich ihr Verhalten und sie beginnen sich in einen Kokon einzuspinnen. Die Metamorphose beginnt, die Raupe wird zur Puppe. Bevor aus der Puppe ein Nachtfalter schlüpfen kann, werden die Kokons mit heissem Dampf besprüht, die Puppen sterben. Sie werden später als Fischfutter verwertet. Im Winter haben Ramseiers Zeit den Seidenfaden von den Kokons abzuhaspeln. Nach deren Erhitzung im Vakuum wird mit einer Bürste der Anfangsfaden gesucht. Acht solcher Haspelfäden, alle etwa 900 m lang, werden dann zusammengedreht und ergeben den eigentlichen Seidenfaden. Von 4000 Kokons gibt es ungefähr 1 kg Rohseide. Diese wird in Stangen verkauft und in der Schweiz weiter veredelt (Färben, Weben, Nähen etc.). Wir Frauen waren beeindruckt von der grossen Arbeit und der Erfahrung, die Ramseiers haben.

Langsam meldete sich der Hunger. In Wohlen bei Bern genossen wir das feine Mittagessen und nach der  Weiterfahrt durchs sonnige Emmental gab es in Wynau einen Kaffeehalt. Obwohl wir im abendlichen Stau stecken blieben, landeten wir dank unseres ortskundigen Chauffeurs mit nur wenig Verspätung in Aesch.

Ein herzlicher Dank gilt unserer Organisatorin Theres Ramseier vom Vorstand des Frauenvereins. Es war für uns ein fröhlicher und auch lehrreicher Tag mit vielen freundschaftlichen Begegnungen.

Margrit Ryffel

Link zum Flyer.